Homelabs sind kompliziert.

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Homelabs sind kompliziert


Ich folge /r/homelab und neulich fand ich eine spannende Diskussion über die Menschen hinter den Homelabs, and noch mehr, über die Gründe warum man eines hat oder zumindest plant.
Interessant war die Feststellung, dass die meisten Leute die beruflich in der IT unterwegs sind, nur Labs betreiben, wenn sie sich auf eine Zertifizierung vorbereiten. Und das ist auch vollkommen in Ordnung.

Wenn du auf der Arbeit acht Stunden jeden Tag mit Dingen wie yaml oder IPSec Tunneln beschäftigt bist, oder generell mit irgendwas, das gerade (mal wieder) kaputt ist, hast du keine Lust, das Zeugs auch noch am Abend zu sehen.
Wie sagen wir hier so schön “Arbeit ist Arbeit, und Schnaps ist Schnaps”, und das passt hier ziemlich gut.

Stattdessen sind die meisten Leute dort Tech-Enthusiasten, oder auch Pro-sumers.
Manche haben einfach nur die Nase voll vom Wi-Fi Router den der ISP stellt, andere möchten Dinge wie Plex oder NextCloud zu Hause betreiben, und es gibt tausend andere gute Gründe warum man mit einem Homelab beginnt.

Für mich ist es zum einen ein Sandkasten um mit unseren Produkten herumzuspielen, damit ich verstehe, wie neue Features funktionieren.
Aber das ist nicht alles.

Mein Job ist voll von Theorie. 
Ich lese und lerne über Container, und vielleicht rede oder schreibe ich darüber.
Aber wo würde ich sie benutzen?

Also ist ein Homelab für mich auch ein Weg, etwas mehr Praxis in die zu langweilige Theorie zu bekommen.

Eines vereint alle Homelabber; eine Form von Masochismus.

Wir setzen uns viel Stress aus, nutzen entweder Hardware, die irgendwo aus gutem Grunde dekommissioniert wurde und dazu noch schrecklich laut ist.

Oder Hardware von zweifelhaften Herstellern die nur bis zum nächsten Firmware-Update läuft.

Kabel sind immer entweder zu lang, oder zu kurz.
Und man merkt, wie staubig es in der Wohnung tatsächlich ist.

Und, na klar, irgendwas verursacht immer Ärger und benötigt Hilfe. Es ist IT, irgendwas ist immer. Wir sind es doch gewohnt.

Aber das Ding ist: Auf der Arbeit ist es der Job. Du bringst was in Ordnung und wirst dafür bezahlt.

zu Hause, wenn Netflix plötzlich nicht mehr läuft, weil man ein VLAN falsch eingestellt hat, riskiert man die Scheidung.

Ein Beispiel.

Kürzlich habe ich ein paar TPM Chips für meine ESXIs bestellt (fragt nicht warum, ich weiß es selbst nicht) und natürlich müssen die kurz heruntergefahren werden, damit ich die Chips einstecken und TPM im Bios aktivieren kann.

Auf einem der Hosts läuft ein Domain Controller aber ich dachte mir “Das sind fünf Minuten Downtime und ich habe einen physischen DC hier stehen mit DNS und DHCP Failover. Alles wird gut gehen.”
Berühmte letzte Worte, ich weiß.

In all dieser Weisheit und meinem Optimismus habe ich die Downtime für 07:30 angesetzt. Was kann schon schief gehen?

Nur ein paar Minuten später ruft meine Freundin, die heute offensichtlich beschlossen hat, früher mit der Arbeit anzufangen.

“Sascha, ich kann keine VPN zum Büro starten. Da ist eine komische Fehlermeldung auf dem Bildschirm.”

Tatsächlich war die Meldung gar nicht komisch, wenn die IP der Maschine mit 169 anfängt.

Guck, ich bin nicht verheiratet, also gibt es kein Risiko einer Scheidung, aber niemand will Ärger.
Innerhalb von Sekundenbruchteilen entscheide ich mich für die Strategie des Leugnens und sage “Ohhh, da stimmt etwas mit unserem ISP nicht. Das wird sicher in zwei Minuten wieder gehen. Trink dir einfach einen Kaffee”

Ich bin zurück in mein kleines Büro und frage mich, warum das Failover nicht funktioniert aber, und ebenso: Auf welchem Host ist der primäre DC nochmal?

Ich habe mir nur zwei Minuten Zeit gekauft. Denk nach, Sascha!

Ich bin mir sicher er ist auf Host 2 oder 3 (ich habe 4), also starte ich die schnell wieder.

Es hat fünf Minuten gedauert, bis es wieder lief. Alles, bis auf “host attestation status warning” im vCenter. Aber das ist jetzt nicht wichtig.

Warum nur tun wir uns das an?

Ist es dieses „Mann gegen die Maschine“ Ding? Mit dem Feuer spielen?
Wo liegt gerade der Weltrekord in hohem Blutdruck?

Aber vielleicht ist es lediglich eine Form des Eskapismus, in die Kommandozeile einzutauchen und den Rest der Welt auszuschalten. Wie eigentlich jedes gute Hobby.

Und das ist es doch eigentlich: Ein Hobby. Und ein Gutes!

Es kann sehr belohnend sein, und hält unsere Gehirne auf Trab, während wir neue Fähigkeiten lernen und uns Wissen aneignen. Und dann der HEUREKA! – Moment wenn Dinge plötzlich funktionieren, nachdem man Stunden/Tage herumgeschaut hat. Man fühlt sich unbesiegbar!

Und tatsächlich, die Fähigkeit Dienste zu Hause für die Familie bereitzustellen ist eine nette Sache.

Plex ist einfach großartig. Statistiken dazu? Tautulli.
Wenn du Automation magst, setze Sonarr, Radarr und die anderen daneben.
Und wenn dir wirklich langweilig ist, pack alles in Container.
Na, lass das, das tut vielleicht doch zu sehr weh nach der Arbeit.

Ich bin im Vorteil.

Recht offensichtlich arbeite ich für SolarWinds, und daher kann ich alle Werkzeuge kostenlos benutzen. Und die würde ich mittlerweile auch wirklich vermissen.

Sogar etwas wie User Device Tracker (UDT), in einer Mini-Umgebung wie meiner eigentlich unnötig, konnte mir helfen die Quelle von einem seltsamen IPv6 Multicast Spam zu finden.

Tatsächlich, während ich dies schreibe, erinnere ich mich an einen anderen Grund, warum ich mit dem Labbing angefangen habe.

Als ich nach Berlin bezogen bin, habe ich mir zwei APs an die Decke geklebt, was eigentlich Overkill ist, da alle gesprächigen Endpunkte verkabelt sind und das Apartment jetzt auch kein Palast ist.
Aber genau das ist der Punkt: In Apartmentgebäuden bedeutet Wi-Fi Krieg. Und den will ich gewinnen.

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